Die Themen dieser Seite: Interview zum Thema Bürgerstiftungen Corporate Foundations  |


Stiftungen faszinieren: Sie unterstützen und helfen, sie wirken „bis in die Ewigkeit“ und geben Impulse für die Gegenwart...
Seit Jahrhunderten regen Stiftungen und ihre Stifter die Gesellschaft an – oder auf. Diskutieren Sie also mit.

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+++News+++
Nach dem Steuerskandal: "Liechtensteiner Stiftungsmodell in Deutschland undenkbar". Lesen Sie mehr unter News >>>


+++Studie+++

Was Stiftungsmitarbeiter verdienen

Im Vergleich zur Privatwirtschaft erhalten hauptamtliche Führungskräfte in Stiftungen deutlich weniger Geld. Das belegt eine Studie, die die FH Berlin und das Institut für Stiftungsberatung vorgelegt hat. Die Bandbreite der gezahlten Gehälter ist vor allem bei Stiftungsvorständen sehr groß und reicht von 40.000 Euro bis zu 250.000 Euro. Dabei hat nur jede zehnte Stiftung hauptamtliche Vorstandsmitglieder, jede vierte einen fest angestellten Geschäftsführer.

Die Befragung von 2.000 Personen, die eine Stiftung leiten, ergab außerdem: Hauptamtliche Vorstände und Geschäftsführer sind häufig qualifizierter als Führungskräfte, die in der Privatwirtschaft oder in Verbänden auf vergleichbaren Positionen sitzen. Sie verdienen aber deutlich weniger. Ein hauptamtlicher Stiftungsvorstand erhält im Durchschnitt ca. 81.000 Euro im Jahr. Bei der Vergütungshöhe gibt es jedoch erhebliche Unterschiede. In Einzelfällen werden vor allem in Förderstiftungen Spitzengehälter von bis zu 250.000 Euro gezahlt. Hauptamtliche Geschäftsführer erhalten ein durchschnittliches Jahresgrundgehalt von zirka 59.000 Euro. "Mit Blick auf die zu recht von der Öffentlichkeit an Stiftungen gestellten Qualitätsansprüche ist die niedrige Bezahlung ihrer Führungskräfte problematisch. Eine verantwortungs- und leistungsgerechte Bezahlung in Stiftungen muss einem Vergleich zu Wirtschaft und Staat standhalten", so Christoph Mecking zur Frage der Angemessenheit der Gehälter in Stiftungen.

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+++Interview+++
Bürgerstiftungen
gründen und führen

In nur zehn Jahren haben sich in Deutschland über 100 Bürgerstiftungen gegründet – Tendenz steigend. Hubert Claves sprach mit Peter Walkenhorst von der Bertelsmann Stiftung über diese noch recht neue Stiftungsform. Walkenhorst ist bei der Bertelsmann Stiftung verantwortlicher Experte für den Bereich Bürgerstiftungen.


P. Walkenhorst
Foto: Bertelsmann Stiftung











Warum engagiert sich die Bertelsmann Stiftung im Bereich "Bürgerstiftung"?
Walkenhorst: Wir glauben, dass diese Stiftungsform die Bürgergesellschaft auf lokaler Ebene stärkt und fortentwickelt. Denn e
ine Bürgerstiftung ist eine Stiftung von Bürgern für Bürgern. Sie wird nicht von einer einzelnen Person, einer Institution oder einem Unternehmen gegründet. Vielmehr steht hinter einer Bürgerstiftung immer eine Personengruppe.

Wie unterscheidet sich diese Stiftungsform von anderen Stiftungen?
Durch die Zahl der Stifter bzw. Zustifter und durch eine breitere Zielsetzung. Das heißt, dass Bürgerstiftungen offen sein sollten für lokale Entwicklungen.
Sehen Sie: In den verschiedenen Regionen gibt es unterschiedliche Probleme. Hier sollte eine Bürgerstiftung in ihrer Zielsetzung offen sein und bleiben. Wir haben folgende Erfahrung gemacht: Vor zehn Jahren wussten wir nicht genau, mit welchen Problemen wir heute zu kämpfen haben. Genauso wissen wir nicht, was in den kommenden zehn Jahren auf uns zukommt.

Wie sieht die rechtliche Struktur aus und wie kann man eine Bürgerstiftung gründen?
Eine Bürgerstiftung ist eine Stiftung privaten Rechts, deren Genehmigung – neuerdings wird von Anerkennung gesprochen – der jeweiligen staatlichen Stiftungsaufsicht unterliegt.
Darüber hinaus muss die Gemeinnützigkeit durch die Steuerbehörde anerkannt werden. Das Stiftungskapital muss in den meisten Bundesländern mindestens 50.000 Euro betragen; in einigen Ländern reichen bereits 25.000 Euro aus. Dies ist jedoch die Ausnahme.

50.000 Euro kann für eine Gruppe eine gewaltige Summe darstellen. Trotzdem die Frage: Reicht dieses Mindestkapital aus?
Wir glauben, dass 50.000 Euro der unterste Satz ist. Dies lässt sich einfach begründen: Das Geld wird ja verzinst und aus den Erträgen realisiert die Bürgerstiftung ihre Projekte. Bei einer Verzinsung von zirka 5 Prozent sind die Erträgenicht gewaltig. Entsprechend sollte man mit mehr Geld starten, um dann Projekte besser realisieren zu können. Im Idealfall sollte eine Bürgerstiftung mittelfristig einen hauptamtlichen Mitarbeiter aus eigenen Mitteln finanzieren können und über eigene Büroräume verfügen. Nach unseren Erfahrungen ist dafür ein Stiftungskapital von mehreren Millionen Euro notwendig. Von den über einhundert Bürgerstiftungen in Deutschland haben derzeit erst 13 die Grenze von einer Million überschritten.

Gelder müssen also akquiriert werden. Und gerade auf lokaler Ebene sind auch andere Vereine auf Gelder von engagierten BürgerInnen angewiesen. Diese Vereine befürchten oftmals, dass ‚ihre’ Spendengelder dann in die Stiftung fließen. Es entsteht also eine neue Konkurrenzsituation auf dem Markt der Spendensammler ...
Die Befürchtung ist weit verbreitet. Wir denken allerdings, dass diese Angst - zumindest mittelfristig - falsch ist. In Amerika sagt man: Man gibt nicht an eine Bürgerstiftung, sondern man gibt durch eine Bürgerstiftung. Eine Bürgerstiftung ist also dafür da, den Kuchen größer zu machen.  

Wenn ich mir die Person 'Stifter' vorstelle, dann ist das ein älterer Herr, gebildet und mit einem Hang zur Selbstdarstellung. Dieses Klischee ist sicherlich falsch - aber weit verbreitet. Können Sie erläutern, wer stiftet?
Wir sind dieser Frage in einer großen Studie nachgegangen. Das Ergebnis: Das Profil der Stifter ist ganz unterschiedlich. Grundsätzlich gibt es nicht DEN Stifter. Es gibt ganz unterschiedliche Motive: Erfolgreiche Unternehmer wollen der Gesellschaft ‚etwas zurückgeben’, Menschen mit einem persönlichen Schicksalsschlag suchen einen neuen Sinn, Personen wollen ihre lokale Verbundenheit deutlich machen und vieles mehr. Oftmals steht jedoch die Nachhaltigkeit im Vordergrund: Nicht das Geld, sondern die Zinsen werden ausgegeben. Somit ist die Wirkung einer Zustiftung auf Langfristigkeit angelegt.

Wie sollte eine Gruppe das Stiftungskapital akquirieren?
Zunächst ist eines ganz wichtig: Sie brachen eine motivierte Kerngruppe, die das „Projekt Bürgerstiftung“ wirklich voranbringen will und daher auch bereit sind, viel Arbeit zu übernehmen. Denn von der Satzungsgestaltung bis zur Genehmigung ist es ein weiter Weg und die richtige Arbeit fängt dann erst an. Man braucht somit kräftige Schultern.
Und dann beginnt das Werben: Man muss immer wieder erklären und die Vorteile einer Bürgerstiftung hervorheben.
Ist die Gründung erfolgt, dann braucht die Bürgerstiftung eine Art Auftaktprojekt. Hiermit positioniert sie sich und kann dann ihre Arbeit konkret in der Öffentlichkeit vorstellen. Langfristig kann eine Bürgerstiftung nur durch erfolgreiche Projekte überzeugen. Ein Auftaktprojekt ist dabei unglaublich hilfreich.

Langfristigkeit ist ein gutes Stichwort: Denn nach der Gründung geht es ja erst richtig los. Wie erhält man eine Bürgerstiftung langfristig am Leben?
Ja, mit der Gründung geht es erst richtig los. Viele denken dabei nur an die zu verwirklichenden Projekte; es geht aber immer auch um den langfristigen Vermögensaufbau und -erhalt. Nur durch einen kontinuierlichen Kapitalzuwachs können weitere Projekte umgesetzt werden. Die Organisation ist also auf weitere Zustiftungen angewiesen. Der Kapitalstock muss letztendlich so hoch sein, dass Projekte dauerhaft realisiert werden können, ohne das man auf Zustiftungen oder auch Spenden angewiesen ist. Langfristiges Ziel ist somit die finanzielle Unabhängigkeit.

Eine Stiftung ist ja eigentlich sehr undemokratisch. Ist das ein Hindernis in der öffentlichen Wahrnehmung?
Es ist richtig, dass eine Stiftung – anders als zum Beispiel ein Verein – nicht durch Mehrheitsentscheidungen geführt wird. Verantwortlich im rechtlichen Sinne ist nur der Vorstand. Gleichwohl beruht eine Stiftung ja auf dem Gedanken, dass Eigentum verpflichtet. Stiftungen sind daher verfassungsrechtlich nicht nur geschützt, sondern werden auch gefördert. Besonders Bürgerstiftungen wollen ja durch ihre Arbeit überzeugen und diese darstellen. Dafür ist größtmögliche Transparenz notwendig. Sie sollte daher über ihre Aktivitäten so berichten – sei es im Rechenschaftsbericht, im Internet, mit E-Mails. -, dass die Bürger dies nachvollziehen können und das möglichst keine Fragen offen bleiben.

Vielen Dank für das Gespräch.

(Veröffentlicht im November 2006)

Begriffsbestimmung "Bürgerstiftung":

Eine Bürgerstiftung ist
• eine selbständige und unabhängige Institution
• zur Förderung verschiedener gemeinnütziger und mildtätiger Zwecke
• in einem geographisch begrenzten, d.h. lokalen oder regionalen Wirkungsraum,
• die einen langfristigen Vermögensaufbau betreibt und
• ihre Organisationsstruktur und Mittelvergabe transparent macht.

Das Ziel einer Bürgerstiftung ist es, einer größeren Zahl von Bürgerinnen und Bürgern sowie Unternehmen (Corporate Citizens) zu ermöglichen, ihre spezifischen Beiträge zum Gemeinwohl unter einem gemeinsamen Dach zu verfolgen. Sie dient dabei als ein Sammelbecken für Spenden und Zustiftungen. Der langfristige Aufbau des Stiftungsvermögens durch Zustiftungen sichert die finanzielle Unabhängigkeit einer Bürgerstiftung und gewährleistet die Kontinuität der Stiftungsarbeit.

Quelle: Bertelsmann-Stiftung: Die Bürgerstiftung - Die Definition. Online-Veröffentlichung auf www.buergerstiftung.de . (URL: http://www.buergerstiftung.de/i_downloads/downloads_texte/104_B%FCrgerstiftung_Def.pdf aufgerufen am 20. August 2006).



 


















Hintergründe zu Bürgerstiftungen: www.buergerstiftung.de
Mehr über die Bertelsmann Stiftung: www.bertelsmann-stiftung.de

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Corporate Foundations im Fokus


"Eine Verbindung zwischen Unternehmen und Stiftung gibt es nicht. Die Stiftung ist vollständig losgelöst vom Unternehmen zu sehen.“
Mit solchen und ähnlichen Aussagen reagierten Mitarbeiter von stiftenden Unternehmen bzw. Corporate Foundations (CF) im Rahmen der Recherchetätigkeit von Hubert Claves zu der Diplomarbeit auf die Frage, ob eine durch das jeweilige Unternehmen gegründete gemeinnützige Stiftung einen wie auch immer gearteten positiven Effekt auf das Unternehmen hat.




Begriffsbestimmung "Corporate Foundation":

 „Die Corporate Foundation ist eine nicht-erwerbsorientierte Organisation, die...
- als rechtlich selbständige Stiftung des Privatrechts (BGB-Stiftung)
- von einem Unternehmen und/oder einem Unternehmensmitglied (und evtl. weiteren Stiftern) errichtet wird,
- im weiteren Zeitverlauf mit dem Unternehmen in verschiedenster Weise verbunden bleibt,
- produktive Aufgaben (gemeinnützige Förderleistungen und Projekte) im Sinne des Stifters
- erfüllt und der Deckung öffentlicher Bedürfnisse dient,
- Kommunikationsarbeit in eigener Sache betreibt und
- die Leistungen i. d. R. nicht gegen individuell zu zahlende Entgelte (Preise), sondern kostendeckend bzw. kostenlos abgibt.“

Quelle: Jens Marquardt: Corporate Foundation als PR-Instrument. Dissertation an der Georg-August-Universität Göttingen 2000. Wiesbaden 2001, S. 74.




Nur ein befragter CF-Mitarbeiter räumte sehr vorsichtig ein, dass die Stiftung „[...], wenn überhaupt, eine sekundäre Auswirkung im Bereich der Imagebildung auf das Unternehmen hat.“


Sind Corporate Foundations völlig eigenständige, vom Stifter losgelöste Institutionen – auch in kommunikativer Hinsicht?Selbst sehr oberflächliche Beobachtungen scheinen den Aussagen der Mitarbeiter zu widersprechen, dass es zwischen den stiftenden Unternehmen und den Corporate Foundations keine bzw. nur sehr geringe Verbindungen gäbe: Warum taucht die Firmierung des Unternehmens im Namen der Stiftung auf? Weshalb verweisen die Internetseiten der Unternehmen auf das Stiftungsengagement?

Aus diesen und weiteren Fragestellungen leiten sich die Untersuchungsziele der von Hubert Claves vorgelegten Diplomarbeit ab: 

(a) Können Unternehmen mit Hilfe von Corporate Foundations ihre eigenen unternehmerischen Ziele besser erreichen? Welche kommunikativen Spannungen können sich aufgrund unterschiedlicher Erwartungshaltungen seitens externer Bezugsgruppen ergeben und welche Folgen hat dies für die Positionierung von Corporate Foundations?
(b) Kann die von einigen Autoren durchgeführte, in der Regel jedoch unreflektierte Einordnung von Corporate Foundations in den Corporate Citizenship-Ansatz bestätigt werden?
(c) Aus dieser theoretischen Betrachtung leitet sich die empirische Frage ab, wie sich in der Praxis die von außen beobachtbaren Verbindungen zwischen dem stiftenden Unternehmen und der Corporate Foundation tatsächlich darstellen. Dazu ist zunächst eine Erhebung von Basisdaten notwendig.


Externe Links zum Thema:
Bundesverband Deutscher Stiftungen e. V., Berlin:
www.stiftungen.org
Verzeichnis deutscher Stiftungen:
www.stiftungsindex.de